Prana und Pranayama

Posted: September 26, 2017 By: Comment: 0

Immer wieder höre ich Menschen von „der Energie“ sprechen, die anscheinend „gut“ und „schlecht“ sein kann, die man „haben“ kann oder nicht. Mir war es daher ein Anliegen, einen ausführlicheren Text über Prana und Pranayama zu schreiben. Ich freue mich über Kommentare und Anregungen zum Thema :)!

Unter Prana versteht man diejenige Energie, welche das Universum auf allen Ebenen durchdringt. Iyengar beschreibt Prana als Schwingungsenergie, Ranjit Sen Gupta (in der Linie von Paramahansa Yogananda) als Strom der Intelligenz und essenzielle Wesensnatur. Prana ist die vitale Lebensenergie, die sich in unserem gesamten Sein manifestiert. Sie ist physikalischer, seelischer, geistiger, sexueller, spiritueller und kosmischer Natur. Eine weitere Auslegung von Prana ist die von Prana als Prinzip von Leben und Bewusstsein, das mit atman gleichgesetzt werden kann. Prana ist damit auch der „Lebenshauch“ aller Wesen, eine ähnliche Konzeption wie auch in der griechischen Philosophie, in der pneuma mit Geist, Hauch, Luft oder Wirbel übersetzt wird.

Prana wird oft mit dem Atem gleichgesetzt, jedoch ist der Atem nur eine der vielen Manifestationen von Prana im Körper. Bei dem normalen Atemvorgang findet ein ständiger Austausch zwischen der Umwelt und dem eigenen Körper statt und für den Stoffwechsel des grobstofflichen Körpers sind vor allem Sauerstoff und weitere Bestandteile der Atemluft wichtig. Die Beudeutung von Prana ist viel umfassender.

Der Strom des Prana ist zeitlos in Austausch und Verbindung mit allen Lebewesen, mit jedem geistigen oder biologisch manifestierten Ereignis auf jeder Ebene. Nach Deepak Chopra fließt Prana direkt aus dem reinen Gewahrsein und erfüllt jeden Aspekt des Lebens mit Bewusstsein und Intelligenz. Durch Aufmerksamkeit und Techniken wie sie im Pranayama (Ausdehnung des Atems) vermittelt werden, kann Prana im Körper willentlich verstärkt, vermindert und bewegt – und vor allem bewusst aufgenommen werden. Das Aufnehmen von Prana geschieht im Zusammenwirken von körperlicher Atmung und Bewusstsein.

Unter Pranayama versteht man die Regulierung des Atems, beziehungsweise nach Patanjali die kontrollierte Ein- und Ausatmung in einer gefestigten Haltung (Yogasutra II, 49-50). Beim Pranayama werden die Atemorgane willentlich, rhythmisch und intensiv bewegt und ausgeweitet. Der Begriff Pranayama setzt sich aus den beiden Wortwurzeln prana und ayama zusammen. Die Ausführung von Saraswati dazu lautet, dass der Begriff yama zwar „Kontrolle“ bedeute und aus der Zusammensetzung von prana und yama damit die Übersetzung „Atemkontrolle“ für Pranayama entsteht. Übersetzt man jedoch ayama mit „Extension“ oder „Expansion“ ergibt sich die die Bedeutung „Extension/Expansion der Dimension von Prana“ für Pranayama. Pranayama ist eine Methode, die Lebenskraft oder -energie zu aktivieren und zu regulieren, über die eigenen Grenzen hinauszuwachsen in einen Zustand von vibrierender Energie.

Pranayama besteht aus vier zentralen Aspekten des fließenden Atems: Man unterscheidet zwischen Einatmung, puraka, welche den Organismus in Bewegung bringt, Ausatmung, rechaka, welche Giftstoffe und verbrauchte Luft abführt, Atemstille nach der Einatmung, antar kumbhaka, und nach der Ausatmung, bahir kumbhaka, welche die Energie im ganzen Körper verteilt. Es gibt auch noch einen fünften Aspekt der Atmung, kevala kumbhaka, ein spontanes Stehenbleiben des Atems, was in einer tiefen Meditation vorkommen kann. Die Bewegungen der Lunge und des Brustkorbs dazu sind die waagrechte Ausdehnung (dairghya), senkrechtes Hochziehen (aroha) und Umfangserweiterung (vishalata). Mit der natürlichen Atmung fließt Prana im Gegensatz zu Pranayama nur dort, wo es ohne Anstrengung und Hindernisse hinfließen kann. Daher ist es neben der Pranayamapraxis wichtig, durch Asanapraxis die Blockaden zu lösen, die den freien Fluss von Prana stören. Das wichtigste Moment in der Pranayamapraxis ist kumbhaka. Hierzu müssen jedoch die Lungen kräftig, das Nervensystem ausbalanciert und das pranische System bereit sein. Daher liegt zu Beginn des Übens von Pranayama der Fokus eher auf der Ein- und Ausatmung, dies reinigt und aktiviert die Nadis, womit physische Gesundheit und mentale Stabilität einhergeht.

Was schließen wir nun daraus für „die Energie“?

Prana durchdringt uns alle, ob wir nun wollen oder nicht. Was wir beeinflussen können, ist die Durchlässigkeit unseres Körpers und die Richtung und Qualität unserer Gedanken. Wenn wir uns durch unsere Körperhaltung, Engstirnigkeit oder destruktive Verhaltensmuster selbst blockieren, kann Prana nicht ungehindert fließen, Gefühle stauen sich zu Emotionen – unsere Präsenz ist unangenehm – „schlechte Energie“. Je durchlässiger wir für Prana sind, desto mehr Energie „haben“ wir, wir sind in engem, ungehinderten Kontakt zu uns selbst und unserer Umwelt, es kommt zu keinen emotionalen Verstrickungen, was unsere Präsenz sehr angenehm macht – „gute Energie“.

Prana selbst ist nicht in Attributen von „gut“ und „schlecht“ zu fassen – was wir daraus machen liegt ganz allein an uns selbst!

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Vera

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